Ein Interview mit Ursel Fischer (UF), die seit der ersten Freizeit 1965 dabei ist.

Das interview führte Heike Prang (HP)

Das wird nicht lange bestehen ….!?

50 Jahre Frauenfreizeit Schwarzwaldmühle, Besenfeld

 

Vom 25.04. bis 09.05.15 fanden im 50. Jahr die Besenfelder Frauenfreizeiten statt. Zwei Wochen Frauenfreizeit. Jede Woche ist für sich abgeschlossen mit unterschiedlichen Inhalten, die man einzeln oder auch gesamt besuchen kann.

Heike Prang (HP) sprach mit Ursel Fischer (UF), einer Zeitzeugin.

 

HP: Du hast als junge Frau an der ersten Frauenfreizeit teilgenommen und in diesem Jahr warst du noch als Mitarbeiterin dabei. Wann war die erste Freizeit genau?

UF: Vom 20. bis 27. März 1965.

 

HP: Wie kam es, dass Du mit dabei warst?

UF: Zum einen wurde die Freizeit in meiner Gemeinde bekannt gegeben und ich wurde von Anni Klein angesprochen. Ich war noch sehr jung, hatte ein kleines Kind. Als ich einen Babysitter fand, meine Mutter, habe ich mir eine Auszeit genommen.

 

HP: Was weißt Du über die Entstehung? Wer leitete die Freizeit?

UF: Geleitet wurde sie von Frieda Hain aus Essen-Borbeck. Sie war damals wohl schon im Ruhestand und im Raum Essen in der Frauenarbeit tätig.

Interessant ist die Verbindung in den Süddeutschen Raum. Die geschah über Anni Klein, Heidelberg und Helmut Lübbe, Heilbronn, leibliche Geschwister. Frieda Hain war deren Sonntagschultante gewesen. Anni und Helmut waren aktiv in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Besonders Helmut setzte sich dafür ein, dass ein Haus gefunden wurde, wo christliche Kinder- und Jugendfreizeiten durchgeführt werden konnten. Das wurde mit dem Kauf der Schwarzwaldmühle 1961 wahr. Man suchte nach Angeboten für die Mühle im Frühjahr, wenn keine Kinderfreizeiten stattfinden konnten.

So entstand wohl die Idee, in dieser Zeit eine Frauenfreizeit anzubieten.

 

HP: Wie wurde die Frauenfreizeit angenommen?

UF: Die Frauenfreizeit wurde von den Frauen im Süddeutschen Raum sehr gut angenommen. Bei der ersten Freizeit gab man ihr eine schlechte Prognose. Sie würde nur 3 Jahre bestehen. Aber es sollte durch Gottes Gnade anders kommen. Es ist die einzige Freizeit der Schwarzwaldmühle, die noch immer besteht und in diesem Jahr sogar ihr 50 jähriges „Jubiläum“ feiert.

 

HP: Was war das Besondere dieser Freizeit?

UF: In den 60iger Jahren gab es schon Frauenfreizeiten, aber sie wurden von Brüdern geleitet. In dieser Freizeit war das nun anders. Sie wurde komplett von Frauen gestaltet, die auch die Bibelarbeiten eigenständig durchführten. Die Freizeit war zwar auch dankbar für Unterstützung durch einzelne Brüder, an den Wochenenden, die Einstiege ins Freizeitthema gaben. Das waren zuletzt Hans-Jürgen Platte, Wilhelmsfeld und, noch immer, Martin Huster, Heilbronn.

Ewas besonders ist auch das positive Miteinander von Alt und Jung. Es war schon immer so, dass viele ältere Schwestern gerne kommen, aber auch jüngere mit dabei sind. Jüngere profitieren von den Glaubens- und Lebenserfahrungen der Älteren und den Älteren tut die Gemeinschaft mit den Jüngeren gut. So ist jede Frau, egal welchen Hintergrundes herzlich willkommen und ebenso aufgenommen. Letztlich kommt es immer darauf an gelernt zu haben, einander anzunehmen, wie es in der diesjährigen Jahreslosung heißt.

 

HP: Was war das Anliegen der Frauen, für solche Freizeiten?

UF: Das geistliche Auftanken und geistliche Ausrichten war damals und ist bis heute das Ziel dieser Frauenfreizeit.

Frauen können sich Frauen öffnen. Die Anliegen, Sorgen und Probleme der Frauen kommen anders zur Sprache, wenn man sie von Frau zu Frau bespricht, als wenn man das über Brüder macht.

 

HP: Wer leitete die Freizeiten in den vergangenen Jahren?

UF: Am Anfang war es ja Frieda Hain. Sie übergab aus Altersgründen die Freizeit in den 70iger Jahren an Lenelotte Dirks, Dillenburg. Lenelotte Dirks übernahm mit Unterstützung ihrer Freundin Luise Wagner, Haiger, diese Aufgabe und weitete sie auf zwei Freizeiten in zwei Wochen aus. So konnten mehr Frauen teilnehmen. Lenelotte wurde krank und verstarb, aber Luise Wagner, blieb als Mitarbeiterin bis 2008 dabei. Über 30 Jahre schätzten wir ihren Dienst.

Nach Lenelotte Dirks entstand ein Mitarbeiterkreis von 4/5 Frauen. Elisabeth Kaphengst und Anni Klein hatten leitende Aufgaben.

Mitgearbeitet haben dann ab und in den 80iger Jahren Eleonore Seinsche, Dr. Irmgard Linder und Ruth Neumann. Ab 1992 waren Christine Blödtner und ich mit dabei. Etwas später dann Dorothee Kranzmann und Lydia Laich.

Das Team hat nie ganz gewechselt, sondern es waren immer einzelne Frauen, die meist aus Altersgründen ausschieden und es kamen jüngere mit dazu. Der Wechsel war immer harmonisch, es gab nie Streitigkeiten. Das Anliegen wurde von neuen Mitarbeitern immer mit übernommen. Und so ist es bis heute. Ich selbst werde nun aufhören. Aber die Arbeit wird durch Heike Prang (seit 2005), Elisabeth Mehrbroth (seit 2009), Angelika Geiger (seit 2014) und Dorothee Kranzmann weitergeführt.

 

HP: Was hat die Freizeit dir bedeutet?

UF: Die Freizeit hat mir immer viel bedeutet. Ab 1979 war ich berufstätig. Mir war es wichtig, bei all den weltlichen beruflichen Einflüssen diese Auszeit zur Neu-Ausrichtung auf das, was wirklich wichtig ist und auch zur Korrektur meines Glaubenslebens zu haben. Ich möchte diese Zeiten nicht missen.

Das beobachte ich auch bei den Teilnehmerinnen, wo viele doch auch über Jahre gerne gekommen sind und noch immer dabei sind.

Ich bin davon angetan, dass es 50 Jahre eine sinnvolle und fruchtbare Arbeit war. Das war befriedigend, immer mal anders, aber immer schön. Ich habe nie gedacht, dass ich nächstes Jahr nicht dabei bin.

 

HP: Was kannst Du zur 50. Jubiläumsfreizeit sagen?

UF: Sie war nicht viel anders. Es war ein gutes Miteinander von Mitarbeitern und Freizeitteilnehmern. In diesem 50. Freizeitjahr hatten wir einen Höhepunkt in der Anzahl an Freizeitteilnehmerinnen. Es liegt nicht an unserem Wollen und Tun, sondern am Segen des Herrn. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die einzelnen in dieser Freizeit gesegnet werden. Nicht weil wir gute Bibelarbeiten halten, ein gutes Programm anbieten, was zwar unser Anliegen ist. Aber letztlich ist es unser Herr, der die Frauen beschenkt, dass sie mit neuer Kraft in ihren Alltag zurückgehen.

 

HP: Liebe Ursel vielen Dank für das Gespräch. Danke für Deinen treuen Dienst in all den Jahren.

 

Die beiden für dieses Jahr geplanten Freizeiten fallen wegen der Corona Pandemie leider aus.
Wir hoffen, im nächsten Jahr die Freizeiten wieder durchführen zu können.